Auf dem Eurovelo 8 durch Italien und Frankreich

Genua - Alassio

Etappe 20: 87 km - 438 Höhenmeter

Aus dem Frühstücksraum bedienten wir uns mit Toast und Joghurt, dazu gab es einen Kaffee. Heute war Feiertag, und es war viel Verkehr auf den Straßen entlang der Strände zu erwarten. So starteten wir zeitig und bemerkten bereits die ersten, die sich zum Strand aufmachten, um ihr Handtuch zu werfen.

Auf der Etappe ging es hinauf und hinunter, Anstieg und Abfahrten wechselten sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Die Straßen waren meist in gutem Zustand. Also alles in Ordnung? Nicht ganz, aber wie konnten wir auch anderes erwarten. Es war zum einen sehr heiß – na ja, Sonne, Süden, Autos in Hülle und Fülle, zum anderen laut – wir hatten noch die Stille der Po-Ebene und des Apennin im Hinterkopf. Damit war es nun vorbei. Strandmusik aus jedem Winkel schallte auf uns ein. Freie Parkplätze für Autos gab es so gut wie keine mehr. Eine riesige Blechlawine brutzelte am Straßenrand vor sich hin, und picke-, packevoll waren die Strände. Wie war das noch mit Abstandsregeln?

Überraschenderweise waren auf den Felsen zur Rechten immer wieder Gewächshäuser zu sehen, ohne dass wir identifizieren konnten, was darin wuchs. Auf der Achterbahnfahrt entlang der Riviera sorgten Cola- und Eispausen für den nötigen Energienachschub.

Kurz vor Alassio galt es, einen Tunnel von rund 300 m Länge zu durchfahren. Ausgerechnet dieser Tunnel war für Radler gesperrt. Wohin aber hätten wir ausweichen sollen. Wir waren ratlos, entschieden uns dann, weil der Verkehr deutlich nachgelassen hatte, durch den Tunnel zu fahren. In der Mitte des gut erleuchteten Tunnels hupte uns ein Fiatfahrer an und versuchte, uns an den Rand der Fahrbahn zu drängen. Er schimpfte fürchterlich und gab schließlich auf, als die Autos hinter ihm die Geduld verloren und ihn anhupten und anschrien.  Übrigens, niemand sonst hatte sich um uns geschert, was unsere Tunnelfahrt nicht rechtfertigt, aber ins richtige Maß setzt.

Insgesamt gewannen wir den Eindruck, dass die Nerven an der ligurischen Küste etwas weniger strapazierfähig waren als in den übrigen Regionen, durch die wir geradelt waren. Nicht selten brüllten sich die Signori auf oder in ihren Fahrzeugen zügellos an und reckten die Fäuste. Die geringere Frustrationstoleranz korrespondierte mit einem deutlich höheren Preisniveau für Übernachtungen. Das war schon heftig.

Das Hotel Nuovo Bristol war trotz seines Namens ein recht betagter Kasten, dessen Badezimmer lächerlich schmal war. Im Ort kauften wir ein und suchten an der Flaniermeile am Strand ein geeignetes Lokal. Die Partyatmosphäre, grelle Musik und beängstigende Enge bewegte uns, statt auf der Promenade in einer Art Brasserie zu essen, dem Brattin Cafè, das abseits des Trubels nahe am Hotel lag. Dort gab es Hamburger, einen großen Salat, eine Käseplatte und kühles Bier. Während wir es uns schmecken ließen, bunkerten die jungen Leute kistenweise Spirituosen – es würde noch eine lange Nacht an diesem Feiertag geben.

Übernachtung

  • Hotel New Bristol
    161,00 EUR mF

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