Auf dem Eurovelo 8 durch Italien und Frankreich

Casalmaggiore - Cremona

Etappe 13: 51 km - 58 Höhenmeter

Sonnenuhr auf freiem Feld
Sonnenuhr auf freiem Feld

Das Hotelpersonal war noch nicht zugegen, als wir gegen halb neun abfuhren. Wir trugen die Räder die Treppe hinunter, beluden sie und machten uns auf den Weg zur bekannten hübschen Piazza, wo wir einen Morgenkaffee zu uns nahmen. Die beiden Croissants von gestern, die wir frühstückten, waren leider sehr zäh geworden. Anschließend radelten wir zum Po, wo zu dieser frühen Stunde bereits viele Fußgänger, Jogger und Radler unterwegs waren.

Auf dieser Etappe sahen wir nahezu ausschließlich Maisfelder, die den Weg säumten. Das Spiel „Ich sehe etwas, was du nicht siehst“ wäre hier zum Scheitern verurteilt. Schon wieder galt: Corn is King. Zahlreiche Gehöfte am Wegesrand waren verlassen, zerfallen, eingestürzt. Mitunter befand sich direkt daneben ein von außen intakt wirkendes, freundlich getünchtes Haus, aber der Anteil an verfallenen Gebäuden war schon überraschend hoch. Es schien auch niemanden zu kümmern, ob ein Gemäuer eingestürzt war.

Radsaurier vor Radgeschäft
Radsaurier vor Radgeschäft

Bei hoher Luftfeuchtigkeit erreichten wir Cremona. Über einen verwinkelten Damm hinweg gelangten wir zu unserer Überraschung zu einem Fahrradgeschäft, dem ersten, das wir in Italien bislang gesehen hatten. Dort kauften wir ein zweites Pannenset und standen wenig später vor dem großartigen Dom und dem benachbarten hohen Glockenturm, der Nr. 3 in Europa, was die Höhe anbelangt.

In der Locanda Torrini bezogen wir ein großzügiges Apartment mit wunderbarem Ausblick auf die Sakralbauten, richteten uns ein und spazierten ein erstes Mal durch die Stadt. In einem schattigen Café erfrischten wir uns, hielten im Apartment eine kleine Siesta und nahmen gegen halb acht den reservierten Tisch im Innenhof der Unterkunft ein. Selbstgemachte Grisini, Rosé, Fisch-Mango-Marinade auf kleinen Fladen am Spieß, Spaghetto mit Seebarsch und Ravioli, mit Auberginen und Tomatenschaum gefüllt - eine wahre Genussexplosion! Die freundliche und dynamische Tattoo-Dame, die für alles zuständig schien, war omnipräsent. Tutto bene!

Cremona gefiel uns so gut, dass wir einen weiteren Tag zu bleiben beschlossen.

Tag 2 in Cremona

Der zweite Tag begann mit einem Frühstück nach Wunsch, sogar mit Eiern, alles dabei und gut. Danach spazierten wir über den großen Samstagsmarkt, der sich über das alte Zentrum erstreckte. Es gab nahezu alles zu kaufen. Wir besichtigten die Kathedrale, deren Marmorfassade beeindruckt. Das sakrale Ensemble steht dem profanen Rathaus gegenüber, Architektur als Metapher disparater politischer Interessen, wie es auch in Avignon und Villeneuve zu beobachten ist. Wikipedia schreibt zum Dom:

„Zusammen mit dem Baptisterium und dem Glockenturm, dem Torrazzo, bildet sie die wichtigste architektonische Einheit der Stadt. Die drei Gebäude stehen gegenüber dem Rathaus am östlichen Rand der Piazza del Comune (der alten Platea Maior der mittelalterlichen Stadt).”

Wir passierten einige Geschäftslokale von Geigenbauern, Cremona ist eines der italienischen Geigenbauzentren, und pausierten gemütlich in unserem Lieblingscafé. Zum Ruhetag gehört das Faulenzen, das wir uns nicht entgehen ließen.

Am späten Nachmittag war auch das rund 40 m hohe Baptisterium geöffnet, mit dessen Bau im 12. Jahrhundert begonnen worden war. Im. Carrefour kauften wir für morgen ein, schlugen wiederum bei einem Kaffee die Beine übereinander und machten uns um kurz nach halb acht auf den Weg in ein Restaurant mit dem wunderschönen Namen Trattoria della tempo persa, wo wir einen Tisch reserviert hatten. Melone mit Bresaola-Schinken und Ravioli gefüllt mit Ziegenkäse und Limone gab es. Schmeckte ausgezeichnet.

Ein letzter abendlicher Blick auf die zum Verweilen einladende Piazza - Cremona hat uns sehr gut gefallen. Vielleicht lag es daran, dass nicht so viele Touristen in der fast intim wirkenden Stadt unterwegs waren.

Übernachtung

  • Hotel Locanda Torriani
    150,00 EUR mF (2 Übernachtungen)

Zurück