Auf dem Eurovelo 8 durch Italien und Frankreich

Rovigo - Ferrara

Etappe 10: 38 km - 53 Höhenmeter

Wurst und Käse fürs Frühstück hatten wir gestern eingekauft, alles andere, das übliche süße Gebäck, in Zellophan eingepackt, lag auf dem Tisch bereit, darunter auch Nescafé-Kapseln. Wir suchten unsere Sachen in den verschiedenen Zimmern zusammen, packten die Räder und schlossen die Tür.

Auf der SS16 ging es heute nach Ferrara. Es herrschte reger Verkehr, aber wir hatten keine andere Route zur Verfügung. In Polesella überquerten wir nicht nur zum ersten Mal den Po, sondern wechselten auch von Venetien in die Emilia-Romagna und von der SS16 auf die SP14, die weit weniger stark genutzt wurde und durch landwirtschaftlich bestellte Felder zu beiden Seiten des Stromes führte. Am Horizont zeigten sich dunkle Wolken, doch wir blieben von Regenschauern verschont. Es war angenehmes Radwetter.

Die richtige Abzweigung zum geplanten Track auf dem rechten Po-Ufer hatten wir zwar verpasst, doch wiesen alle Schilder nach Ferrara, der Fahrradstadt, wie sie sich auf dem Ortsschild tituliert. In Ferrara ging es über teilweise arg holpriges Pflaster zum Castello Estense, der dominierenden Wasserburg in der Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Von dort aus fanden wir das gestern Abend gebuchte Hotel Nazionale schnell und checkten um halb eins ein. Wir hatten das Gefühl, dass uns ein langer Nachmittag zum Durchstreifen Ferraras ausreichen würde, und buchten schon für San Benedetto Po, da wir nicht vorhatten, die zahlreichen Museen zu besuchen. Auch eine Banksy-Ausstellung verlockte nicht zum Eintritt.

Es war luftig, und so spazierten wir gemütlich durch das Zentrum der Altstadt, in der die historischen Gebäude recht bunt durcheinander gewürfelt wirkten. Die Kathedrale, deren Glockenturm nicht beendet worden war, wurde teilweise durch Bauvorhänge verdeckt, das Castello wirkte dunkel und bedrohlich, trotz der Balustraden, die die Wehrgänge im 16. Jahrhundert abgelöst hatten, und architektonisch die Wandlung zum Schloss manifestierten. Wir aßen köstliches Fruchteis, kauften Vorräte ein und genossen auf der Piazza neben der Kathedrale ein kühles Bier.

Nach einer kurzen Siesta im Hotel beschlossen wir, in einem kleinen Lokal namens Garibaldi zu essen, in dem man vor allem Früchte einkaufen konnte und das seit 1967 an Ort und Stelle stand. Gemischter Salat und mit Kürbis gefüllte Tortellini a Ragù, eine Ferrara-Spezialität, wurden aufgetischt. Dazu kredenzte man einen lokalen Weißwein.

Übrigens erhält Ferrara den Preis für die Stadt mit dem schlechtesten Straßenpflaster. Das hinderte allerdings niemanden daran, sich auf Rädern fortzubewegen, die oft schon ihre besten Jahre hinter sich hatten, aber immer noch quietschten, als hätten sie Lust auf Pflastersteine. Angesichts der Vielzahl der Räder, die an unserem Tisch während des Essens vorübergeschoben oder -gekurbelt wurden, war es bemerkenswert, dass wir immer noch kein Fahrradgeschäft gesehen hatten.

Übernachtung

  • Hotel Nazionale
    74,20 EUR mF

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