Auf dem Eurovelo 8 durch Italien und Frankreich

Draguignan - Manosque

Etappe 25: 93 km - 1072 Höhenmeter

Das Frühstück wurde per Tablett auf dem Zimmer serviert. Und das Internet funktionierte auch heute Morgen nicht. Es ist doch nun wirklich keine aufwendige Sache mehr, Hotelgästen ein funktionsfähiges Netz zur Verfügung zu stellen, zumal man ja mit einem kostenfreien WLAN bei Hotelportalen wirbt.

Wir hatten damit geliebäugelt, die Etappe nach Manosque über Barjols führen zu lassen. Dort hatten wir im Juni 1986 unser erstes Gîte de France bezogen, und unsere zwei Monate junge Tochter hatte, gut behütet und geschützt, ihren ersten Sommerurlaub in der Provence verbracht. Die Croissants aus der Bäckerei hatten köstlich geschmeckt, und auf einem Hartplatz hatten wir ein Tennismatch in zwei Sätzen gegen ein einheimisches gemischtes Doppel knapp verloren. Das hatte natürlich nur daran gelegen, dass wir erstmals auf einem Hartplatz gespielt hatten. So groß die Versuchung Barjols auch war, wir votierten schließlich für eine Route, die zwar 20 km kürzer, nichtsdestoweniger landschaftlich überaus reizvoll war.

Gleich nach dem ersten Kreisverkehr bekamen wir einen Vorgeschmack darauf, was uns heute blühte, denn es ging durch eine hügelige Landschaft zunächst in Richtung Flayosc. So früh am Morgen herrschte noch starker Berufsverkehr, und ein Radweg existierte nicht. Die Autofahrer nahmen Rücksicht auf uns. In der ersten Stunde gab es eine Menge Steigungen, so dass wir ganz schön außer Puste gerieten.

Die Strecke führte weiter nach Salernes mit den vielen Töpfereien entlang der D557. Die Landschaft wurde immer hinreißender. Es war jene Provence, die man sich vorstellt, wenn man Pagnol oder Giono liest. Schroffe Felsen, farbenprächtige Vegetation, karge Felder, Kiefern, Eichen, Olivenbäume und immer mal wieder ein scharfer Windstoß - Wasser nahmen wir auf dieser Etappe literweise zu uns. Richtung Aups, dem Tor zum Verdon, das gleiche Bild, allerdings hatte die Zahl der Touristenautos zugenommen, Schluchten und See lockten.

Kurz nach Aups, okzitanisch für Alpen, rasteten wir bei Weintrauben, Wurstbrot und Haribo und gelangten anschließend in eine breite Ebene, die wir auf ausgezeichneten Straßen durchquerten. Wenig Verkehr, die Felsen machten einer Weidelandschaft Platz.

Natürlich gab es auch Abfahrten, mitunter kilometerlang, auf denen wir abkühlten und uns regenerieren konnten. Die Beläge waren gut, nur das beständige Quietschen der Scheibenbremsen nervte. Die letzten 10 km vor Manosque absolvierten wir auf einer stark befahrenen Straße, die unsere volle Konzentration erforderte, aber überraschend und wie bestellt an einem Decathlon vorbeiführte, in dem uns ein Mechanicus die Vorderbremse justierte. Bei meinem Rad erfolgreich, bei Utes Rad nicht, denn das schleifte, als wir im Campanile eincheckten. Also fuhren wir die 2 km zum Decathlon zurück, diesmal ohne Gepäck, und man justierte erneut. Wir waren etwas lendenlahm, als wir nun endlich wieder im Hotel eintrafen.

Abends aßen wir auf der Terrasse das „traditionelle französische“ Gericht Fish & Chips, eine von drei Optionen, die mangels Küche zur Auswahl standen und vom Rezeptionisten in Vertretung des Kochs aufgetischt wurde.

Übernachtung

  • Hotel Campanile
    83,00 EUR oF

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