Auf dem Eurovelo 8 durch Italien und Frankreich

Cornale - Pontedecimo

Etappe 18: 105 km - 1179 Höhenmeter

Tortona
Tortona

Nichts für Familien, nichts für Gelegenheitsfahrer. Diese Etappe kostete Kraft, Nerven und musste durchgehalten werden. Dennoch, oder gerade deswegen, war sie schön.

Früh erwachten wir, die Nacht über hatten wir den Eindruck, in einer Sauna zu schlafen, weil die Klimaanlage ihre spärliche Wirkung nicht bis ins Schlafzimmer entfaltet hatte. Nebenan, der kleine Laden war bereits geöffnet, kauften wir die üblichen vier Liter Wasser und starteten zu einer Etappe, die bis auf eine Panne alles aufwies, wovon Radler Albträume bekommen können.

Der Prolog bis Tortona, das von vielen Wein- und Zwiebelfeldern umgeben war, verlief unkompliziert und zügig. Die ersten leichten Anstiege waren zu nehmen, denn wir hatten das Eingangsportal zum Ligurischen Apennin passiert. In der hübschen Fußgängerzone der Stadt tranken wir bei Lavazza einen aufmunternden Kaffee und staunten beim Herausfahren über die vergoldete Madonnenstatue, die auf dem Dach der Kirche Madonna della Guardia thronte. Dann wurde es einsamer, und die ersten steileren Anstiege erfolgten. Nach einem solchen Anstieg, wir schöpften gerade Luft, bemerkten wir eine Streckenabweichung. Um wieder auf den Track zurückzufinden, ging es im Schneckentempo einen steilen Schotterpfad hinunter, der allerhöchste Aufmerksamkeit erforderte.

Auf den Spuren Fausto Coppis
Auf den Spuren Fausto Coppis

Das gelang zwar, aber wir hatten einen kilometerlangen Kreis geschlagen. Anschließend, der Umweg hatte eine gute Stunde gedauert, kletterten wir auf dem Fausto-Coppi-Corso – Fausto Coppi war 1960 in Tortona gestorben - den ersten Pass bis auf rund 570 m hoch. Oben war leider nichts mit einer Kaffeebud. Hoch und runter ging es weiterhin, und hinter Busalla und einigem Herumgeirre mussten wir zum Passo di Giovi hinauf. Laut Wikipedia ein „niederer Apenninübergang“, der uns allerdings völlig ausreichte.

Wir waren schon ziemlich geplättet, legten spätnachmittags, an der Leitplanke lehnend, eine Studentenfutterpause ein und sahen einem duchgeknallten Motorradfahrer zu, der immer wieder in höchstem Tempo und Rennfahrmanier vier Kurven durchdonnerte.

Der Weg wurde immer schlechter, Geröll, Steinbrocken, Kiesel, Waldpfade, dichtes Gebüsch – die Macheten hatten wir nicht im Gepäck. Einen rutschigen Pfad hinauf mussten wir die Räder tragen und über die Leitplanke auf die Straße hieven. Wir erreichten schließlich die Via Doberdò, die wir wenige Minuten befuhren, bis wir in einer Sackgasse anhalten mussten. Ein Anwohner, der eine Mauer ausbesserte, erklärte uns, die Straße würde hier enden. Ja, das war wohl so, obwohl unser Track anderer Ansicht war.

Also machten wir kehrt, die Stimmung war am Tiefpunkt. Neben einem laut knatternden roten Moped stand ein noch älterer Mann als ich, den ich, einen Versuch war es wert, nach dem Weg Richtung Pontedecimo fragte. Er wies mit der Hand auf die kleine Straße zur Linken, und das war nicht nur die Lösung, sondern auch die Erlösung. Einige Male erkundigten wir uns vorsichtshalber bei anderen Passanten, aber alles war im grünen Bereich. Kilometerlang ging es nun bergab, bis wir nach einer halben Stunde schließlich das Mercure um kurz nach 19 Uhr erreichten.

Unsere Außenschlafsäcke konnten wieder einmal in den Taschen bleiben. Im Restaurant aßen wir Melone mit Schinken und Spaghetti. Nach fast 12 Stunden im Sattel waren wir müde, aber froh, das Ziel erreicht zu haben.

Übernachtung

  • Hotel Mercure San Biagio
    80,00 EUR

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