Auf dem Eurovelo 8 durch Italien und Frankreich

Ferrara - San Benedetto Po

Etappe 11: 84 km - 119 Höhenmeter

Das Frühstück war strikt organisiert. Nur vier Tische standen zur Verfügung. Auf Zuruf erhielt man einen Tisch, und zwei Damen fragten unsere Wünsche ab. Zwei Toast und Joghurt für mich, eine Nektarine und ein Schinken-Käse-Sandwich für Ute ließen viel Raum im Magen.

Es war schön, die Räder durch das helle Morgenlicht an der Kathedrale vorbei zu schieben, auch wenn die Savonarola-Statue mit den fanatischen Gesichtszügen so lebendig wirkte, dass es fröstelte.

Am Castello stiegen wir auf die Sättel und versuchten, dem erratischen Track zu folgen. An einer Baustelle probierten wir quasi jede Himmelsrichtung aus. Zu guter Letzt war das linke Ufer des Po erreicht, und wir fuhren den breiten trägen Strom entlang auf meist sehr guten Belägen.

Unterwegs bemerkten wir aus der Ferne einen leicht schiefen Kirchturm, der uns zum Verweilen einlud. Bei Obst, Pizzastücken und anderen Leckereien machten wir auf einer der seltenen Rastgelegenheiten Pause.

Zahlreiche Radlergruppen begegneten uns heute. Wir, die nach Westen unterwegs waren, hatten leider stets Gegenwind. Grün war die Landschaft, sehr viele Baumpflanzungen gab es am Ufer, kaum Weizen, gelegentlich Rebstöcke. So grün hatten wir die Landschaft aus dem letzten Jahr nicht in Erinnerung.

Bei Ostiglia wechselten wir wieder auf das rechte Po-Ufer und damit in die Lombardei. Die Wege wurden deutlich schlechter, die Zahl der Ansiedlungen geringer. In Cittadella, einem außerordentlich gepflegten Ort, dessen Zentrum von einer nahezu vollständig erhaltenen Stadtbefestigung umgeben ist, tranken wir etwas und aßen ein Eis. Einige Kilometer weiter quartierten wir uns in einer schönen Villa in San Benedetto Po ein, dem B&B Al casa dell'Antiquario.

Wie stets bei dieser Art Unterkünften mussten wir dem Vermieter unsere Ankunft telefonisch mitteilen. Im Coop kauften wir für ein Abendessen daheim ein, weil die zwei Lokale am Ort uns wenig einladend erschienen. Im chinesisch geführten Café an der großen Piazza, an der die letzten Wagen einer beendeten Kirmes parkten, verweilten wir und blickten auf das Kloster vis-à-vis, das mehr als 1000 Jahre vorher gegründet worden war, und zwar von einem Sprössling der Canossa-Familie, was wiederum die Gedanken zu Heinrich IV. gleiten ließ. Allerdings nur kurz, denn ein Jahrtausend sollte genügen, um die mittelalterlichen Königsdramen ins akademische Viertelstündchen zu verbannen.

In die Gegenwart zurückgekehrt machten wir es uns später im kleinen Garten der Villa gemütlich, aßen, tranken, plauderten auch eine kleine Weile mit einem italienischen Ehepaar aus Bologna, das per E-Bikes nach Trento unterwegs war.

Übernachtung

  • B&B Al casa dell'Antiquario
    75,00 EUR oF

Zurück