Auf dem Eurovelo 8 durch Italien und Frankreich

Tarvisio - Venzone

Etappe 2: 58 km - 125 Höhenmeter

Ciclovia Alpe-Adria
Ciclovia Alpe-Adria

Wir waren früh wach, die Sonne schien, der Himmel trug ein schier aufdringliches Blau, und wir frühstückten gut, wenn auch der Kaffee nicht ganz so zufrieden stellte. Wir schoben die Räder aus der vollbesetzten Radgarage, beluden sie und suchten zunächst vergeblich eine Einkaufsmöglichkeit, um den Wasservorrat aufzustocken. Drei bis vier Liter Wasser mussten schon in die Radtaschen. Nach dem Einkauf folgte der heftigste, aber auch einzige nennenswerte Anstieg, mit dem wir auf die hervorragend ausgeschilderte Ciclovia Alpe Adria gelangten. Dieser Radweg war bis kurz vor Venzone großartig ausgebaut, so dass die Fahrt heute das widerspiegelte, was als easy going zu bezeichnen ist. Der Radweg wurde stark frequentiert, meist von Tagesradlern, und die E-Biker waren klar in der Überzahl. Die meiste Zeit führte die Strecke auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse mit sicher mehr als zwei Dutzend Tunneln entlang, der längste maß 697 m. Von stockduster bis durch Bewegungsmelder ausgelöste Lichtanlagen reichten die Beleuchtungsvariationen. Wir ließen es gemütlich angehen, weil das Zimmer, das wir gestern Abend noch gebucht hatten, erst um 15 Uhr bezogen werden konnte.

Im kleinen, gleichwohl geschäftigen Pontebba tranken wir einen Kaffee und fuhren anschließend über die nächsten lauten Blechgitterbrücken und durch die nächsten Tunnel, nun fast immer bergab.

Im idyllischen Venzone, das den traumhaften deutschen Namen Peuscheldorf trägt und 1976 nahezu vollständig durch ein Erdbeben zerstört worden war, verbrachten wir die Mittagsstunde bei eiskaltem Bier und Blick auf den Domplatz. Um 15 Uhr klingelten wir mehrfach an der gebuchten Unterkunft, einem B&B - niemand da. Ein E-Biker aus Villach, der nebenan einen Weißwein trank und mit dem wir ins Gespräch gekommen waren, empfahl uns Da Michele, eine Pizzeria 300 m südlich. Gute Idee, fanden wir, denn im Ort gab es kein Lokal, das montags geöffnet hatte. Wir versuchten erneut, den mutmaßlichen Gastgeber zu kontaktieren, diesmal telefonisch. „Wie, heute stehen Sie vor dem Haus?“ Sodann wurde das Telefonat abgebrochen und weitere Kontaktversuche blieben vergeblich. Wir riefen daraufhin in der Pizzeria an und buchten dort eine Übernachtung. In zwei Minuten waren wir an Ort und Stelle, und nach den üblichen Formalitäten war alles geregelt.

Gegen 17 Uhr verfügten wir uns auf die laute Terrasse, 50 m daneben verlief die SS13, 100 m daneben die Eisenbahn, und erfrischten uns am Weißwein mit vielen Eiswürfeln. Kreischende Kinder und der zornig arabisch telefonierende Kitschfigurenverkäufer vom gegenüber liegendem Parkplatz sorgten für ergänzende Geräuscheffekte. Gegen 18 Uhr trafen die ersten Gäste ein, und der Krach hatte ein Ende. Wir aßen Bohnen in Tomatensauce, Vitello tonnato und Lamm bzw. gratinierte Tintenfischringe, deren Panade zu salzig war.

Übernachtung

  • Pizzeria Da Michele
    60,00 EUR mF

Zurück