3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Meilhan - Bordeaux

Etappe 24: 80 km

Nach dem kleinen Frühstück fuhren wir den steilen Hügel hinab zum Kanal und setzten die Holperpartie bis nach La Réole fort. Erst dort zogen wir die Jacken aus, denn es war noch recht frisch. Nun ging es hoch in die Weinhügel, und das Radeln wurde schweißtreibend. Der Belag war prima, und sobald wir die Stadt endlich hinter uns gelassen hatte, glaube man, in einer anderen Welt zu sein, so menschenleer und still und grün wurde es.

Kurz nach Saint-Sulpice-de-Pommiers überraschte uns der Beginn einer großartig ausgebauten Radroute, der Piste cyclable Roger Lapébie, dem Tour-de-France-Sieger von 1937. Auf einer ehemaligen Bahntrasse ging es auf vorzüglichen Wegen durch Feld, Wald und Weinberge bis nach Bordeaux, das wir so schon am frühen Nachmittag erreichten. Kurz vorher schöpften wir noch einmal Energie mit Kaffee und Perrier Tranche, fuhren über die schöne Pont de Pierre über die schmutzig trübe Garonne und genossen das Stadtpanorama vom östlichen Ufer aus.

Der Weg zum Ibis führte uns bereits durch einige innerstädtische Passagen, die wir auf dem Rad nicht so richtig wahrnehmen konnten, weil wir uns auf die Suche des Hotels konzentrieren mussten, das wir schließlich ganz in der Nähe der Place Pey Berland fanden.

St. André in Bordeaux

Im neunten Stock hatten wir einen schönen Blick aus der Vogelperspektive über die Stadt. Dennoch gut, dass sich die Fenster nicht öffnen ließen. Unser erster Gang führte uns zur monumentalen Kathedrale St. André, die auf der breiten Place Pey Berland thront. In einem der zahlreichen Bistros dort genossen wir ein Fischer-Bier und spazierten anschließend durch die Gassen, schauten uns noch den schlichten Innenraum der Kathedrale an und kehrten für eine kurze Ruhepause ins Ibis zurück, bevor wir zur La Mama, einer Pizzeria in der Rue des Remparts gingen.

Punkt 19 Uhr hatte sich schon eine kleine Schlange gebildet. Nach Vorzeigen des digitalen Pass sanitaire setzten wir uns an einen Tisch und wurden von der unfreundlichsten Dame seit Jahren bedient, die an Wortkargheit und Desinteresse kaum zu überbieten war. Salat und Gomiti rigati bolognaise schmeckten, der Wein auch, aber der Service war haarsträubend. Abends tranken wir noch im Ibis ein Glas Rosé und ließen den Tag Revue passieren.

Ruhetag in Bordeaux

Das Plastikbesteck gab es auch hier zum Frühstück, das insgesamt aber deutlich vielfältiger als in anderen Hotels war.

Nach dem Frühstück flanierten wir drei bis vier Stunden kreuz und quer durch die schöne Stadt. Durch alle möglichen breiten und engen Gassen ließen wir uns treiben, zur großartigen Place Gambetta, an der zahlreiche prachtvolle Fassaden vergangener Epochen zu bewundern waren, auch das säulenbewehrte Große Theater aus dem 18. Jahrhundert ist dort zu finden. Weiter ging es zum Monument aux Girondins auf der Place des Quinconces, wo muskulöse und gut genährten Brunnenfiguren samt gallischem Hahn anzuschauen sind, zur Promenade an der Garonne mit wunderbar hintergründigen Bronzeskulpuren und großformatigen Zeichnungen des belgischen Künstlers Philippe Geluck: „Le Chat Déambule“, im Hintergrund das majestätische Zollmuseum, spielende Kinder, Radler, Touristen, hier war Leben - die Stadt bot grandiose und vielfältige Ansichten.

In Bordeaux

Zur Erholung tranken wir ein Badoit tranche und regenerierten nach einem Sandwich-Mittagessen vor dem Palais de Justice, das einst eine Festung war, um die englandtreuen Bordelaiser unter Kontrolle zu bringen.

Nach der Pause ging es erneut ins Straßengewirr. In einem Radladen erwarb Ute endlich vernünftige Radhandschuhe, die irgendwann später leider verloren gingen, wir aßen leckeres Eis, amüsierten uns über eine Gruppe Mittdreißiger, die das E-Rollerfahren übten und sich wie durchgeknallte Schuljungen aufführten.

Auf dem Platz vor der Kathedrale aßen wir in einem Bistro eine Käse-Wurst-Platte bzw. Melone mit Schinken, und schließlich kauften wir im Carrefour gegenüber noch eine Flasche Wein, die wir später im Zimmer trinken würden.

Eine s-teife Brise aus Nordwest war zu bemerken.

Übernachtung

  • Ibis Centre Mériadeck
    ansprechend

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