3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Vire - Caen

Etappe 35: 68 km

Die Nacht war nicht so angenehm, da die Klimaanlage die Temperatur nicht senken konnte und das Bad einer Sauna glich. Das Auschecken war problemlos - allerdings hatte der Inhaber vergessen, dass wir unsere Fahrräder brauchten. Eine Nachfrage löste das Problem, und wir starteten zuerst in die falsche Richtung. Nach der Korrektur landeten wir wir auf einem breiten Weg, der uns durch das Tal führte.

Dieser Voie Verte leitete uns rund 10 km, dann begannen so allmählich die Steigungen im Départment Calvados, die heute allerdings auch mit längeren Abfahrten verbunden waren. Eine kurvenreiche Abfahrt auf splittigem Untergrund führte zum Souleuvre-Viadukt, der von Gustave Eiffel entworfen worden war. Heute sind lediglich die fünf mächtigen Pfeiler vorhanden, die Teil eines Vergnügungsparks sind. Wir waren mutterseelensolo dort und hatten einen steilen Anstieg zu erklimmen, um das Tal wieder zu verlassen.

Die Straßen in diesem Teil der Normandie sind meist so eng, dass Rad und Auto so einigermaßen, Auto und Auto jedoch nur mit Ausweichen einander passieren können, was die normannischen Eroberer nicht daran hindert, mit hoher Geschwindigkeit über die Wege zu rasen. In der Normandie sahen wir weitaus häufiger als in anderen Regionen Hinweistafeln für den Autoverkehr, Rücksicht auf Radler zu nehmen: Respectez les cyclistes! Offenbar feurige Menschen, diese Normannen.

Als wir fast Punkt 12 eine Mittagspause einlegen wollten, begann es zu tröpfeln. Also radelten wir weiter, das Tröpfeln hörte auf, und nach der nächsten Steigung hatten wir bei Le Bourg, am südwestlichen Rand des Zentralmassivs, das HILL 226 Scots Guards Memorial erreicht. Eine französische und schottische Flagge erinnern zusammen mit einer Infotafel an die Kämpfe um diese Höhe im Zweiten Weltkrieg. Markierungen, Relikte, Denkmäler an das Kriegsgeschehen 1944/45 in diesem Teil Frankreichs weit verbreitet, die Arbeit an der Erinnerungskultur ist spürbar. Wir rasteten, aßen Thun und Makrele und begegneten vier Radlern, von denen einer, bis über die Ohren bepackt und aus Bayeux kommend, in der Nähe pausierte.

Nach der Pause radelten wir zunächst hinunter, hörten gewittriges Grummeln, beschäftigten uns einmal wieder mit den verschiedenen Geräuschen des Rades und hatten unversehens die Hügelkette hinter uns gelassen. Rund 20 km vor Caen ging es auf die prima ausgebaute D675, die wir bis fast ins Zentrum fuhren. Radwege gab es, und wir standen auf einmal vor den beiden romanischen Kirchen der imposanten Abbaye aux Hommes - der Anblick zwang uns förmlich zum sofortigen Halt. Kurz darauf erreichten wir das Hotel. Die 90 Minuten bis zum Check-In verbrachten wir mit Einkaufen, Stadtbummel und einem kühlen Pilsken.

Wir erhielten in dem alten Hotel einen Raum im Erdgeschoss ,wo wir auch die Räder abstellen konnten, sehr eng, passte so gerade, und während wir uns frisch machten, ging ein gewaltiger Regen herunter. 10 Minuten später waren wir bereit und der Regen hatte aufgehört.

Im Monsieur Louis tranken wir einen Pastis und aßen später Gaspacho und ein Kotelett bzw. Tartar zum Rosé.

Die 67 kann kommen.

Übernachtung

  • Hotel Saint Etienne
    passabel

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