3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Fécamp - Dieppe

Etappe 38: 71 km

Hortensien-Tour mit Überraschungen, so ließe sich die heutige sehr schöne Etappe resümieren.

Das Frühstück war prima, es regnete nicht, und los ging es mit einem ersten langen Anstieg, nach dem wir zunächst kräftig durchpusten mussten. Dann ging es weiter auf oft so schmalen Wegen, dass es eng wurde, wenn man Autos begegnete, ganz zu schweigen beim Treffen mit Traktoren oder anderen Großfahrzeugen, die in dieser ländlichen Region alle Naselang unterwegs waren. Sehr häufig warnten Schilder am Straßenrand: Achtung - Radfahrer unterwegs (Présence de Cyclistes).

Anders als in den vergangenen Tagen waren die Straßenbeläge vorzüglich. Das war wichtig, weil wir fast 800 m zu klettern hatten, was wesentlich leichter fällt, wenn man nicht ständig die Straßendecke im Auge behalten muss. Wir passierten zahlreiche kleine und vor allem hübsche und gepflegte Dörfer, mit reichen Hortensienblüten geschmückt. Es gab viele eindrucksvolle, alte, sehr große Häuser bis hin zu großen, sehr gepflegten Höfen mit riesigen Ställen, gebaut aus den hier zu findendem Naturstein, verbunden mit Backstein und manchmal auch Fachwerk. Allerdings auch mit hohen Mauern und Türmen gesicherte Anwesen, aus welchem Jahrhundert auch immer. Hier steckt Geld, das keiner sehen muss.

Mitunter sah man auch hier Reminiszenzen an die alliierte Invasion in die Normandie, so z.B. einen ehemaligen US-Stützpunkt bei Vittefleur für 150.000 Soldaten, der im November 1944 etabliert worden war. Dafür wurde den USA auf einer Marmortafel gedankt.

Mehrfach wurden wir bei Anstiegen darauf angesprochen, ob wir auf einem vélo-clic unterwegs seien, also auf einem E-Bike. Außer Rennrädern sahen wir auf unseren Etappen übrigens vornehmlich E-Bikes, nicht ganz so prominent vertreten wie in Deutschland. Für den normalsterblichen Radfahrer in Frankreich gilt ein Anstieg mit einem E-Bike als weniger sportlich. Jedenfalls zollte man uns Applaus, wenn wir antworteten, wir seien „par force musculaire” unterwegs. Niedlich, aber nicht unwillkommen. Das stärkte die Lebensgeister.

Nach einigen Anstiegen sahen wir im beschaulichen Sassetot-le-Mauconduit mitten auf einer riesigen Wiese ein weißes Klavier, dem die eine oder andere Taste fehlte und das etwas verstimmt war, aber dem sich Töne entlocken ließen. Hier standen auch eine Erinnerungstafel und eine Büste der österreichischen Kaiserin Sisi, die sich einst hier aufgehalten hatte.

Kurz vor Dieppe kamen wir wieder runter ans Meer - so gab es eine grandiose Aussicht auf die Steilküste rechts und links vom Ort, leider auch einen mühsamen langen, aber landschaftlich großartigen Anstieg - der letzte für heute. Im Ibis Budget passten die Räder nicht in den Lift, also durften wir sie ins Erdgeschoss stellen. Wir spazierten nach dem Einkauf im Carrefour City bei schönem Spätsommerwetter durch die Innenstadt und aßen in der Brasserie Suisse Tagliatelle Carbonara. Eiskaltes 1664 löschte den Durst.

Diese Etappe zählt sicher zu den schönsten der Tour.

Übernachtung

  • Ibis Budget Centre Port
    ansprechend

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