3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Vevey - Genf

Etappe 8: 85 km

Und dann kam der Regen

Der Tag begann früh und trocken. Die Räder schoben wir zur nächsten Boulangerie, wo wir uns belegte Baquettes und Kaffee besorgten und im nahen kleinen Park frühstückten.

Danach ging weiter über Montreux und Evian, beide Städte verströmten einen leicht verstaubten Charme, auf tadellosen Schweizer Velostreifen und hoppeligen französischen Straßen meist ohne Radstreifen auf eine kurze Stippvisite nach Frankreich. Der Verkehr hatte zum Mittag hin ungemein zugenommen, die Autofahrer verhielten sich hier wie dort rücksichtsvoll. Kein Hupen, kein Abdrängen.

In Thonon-les-Bains, dem Beginn der ViaRhôna wollten wir die Champagnerkorken knallen lassen, aber uns erwarteten andere Flüssigkeiten. In einer Waschanlage spritzten wir die Riemen sauber, die seit Tagen einige misslaunige Geräusche abgegeben hatten, und nur einige Augenblicke später kam Wasser von oben auch auf uns herab - es begann zu regnen.

Wir aßen zunächst ein Sandwich in der Hoffnung, dass der Regen weiterziehen würde, aber wir befanden uns ja am Genfer See. Gewaltiger See - gewaltiger Regen. Wir streiften die Capes über und fuhren noch zwei Kilometer, bevor es derartig zu prasseln begann, dass wir uns an der Hauptpost unterstellten. Der Regenradar verhieß Übles. Was tun? Wir mussten nach Genf. Also fuhren wir weiter durch den unaufhörlich fallenden Regen. Zunächst auf der stark befahrenen D1005, dann, wieder auf Schweizer Seite, kurz nach St. Maurice am Ufer des Sees entlang.

Im Hotel Balzac

Und doch erlebten wir an diesem Tag in Douraine einen kulinarischen Höhepunkt, als wir in einer kleinen Boulangerie ausgezeichnete Himbeertartelettes kauften und durch ein Vordach geschützt im Pladderregen verspeisten. Der junge Bäcker freute sich, als wir unsere Begeisterung durch die verregneten Schaufenster signalisierten.

Das Hotel Balzac fanden wir superschnell. Aufgrund des garstigen Wetters beschlossen wir, einen Tag in Genf zu verbringen, um ein wenig mehr von der Stadt zu erleben. Denn der heutige Tag war nur noch zum Essensuchen geeignet. Die Räder wurden in der Küche untergebracht, und wir bezogen unseren Superior Room mit Ledersofa, großer Kommode und Riesenräumen - die Räder hätten auch Platz gefunden, aber dazu hätten wir den Lift umbauen müssen.

Zu Abend aßen wir in der wenige Schritte entfernten Pizzeria: Calabrese und Tonno. Danach gab es nur noch das „socialising“ via Smartphone und das Lesevergnügen.

Ruhetag in Genf

Der Jet d'Eau - Wahrzeichen Genfs

Spätes Aufstehen, Kaffee und Croissants in einem Lokal an der Rue des Pâquis. Anschließend spazierten wir bei sonnigem Wetter durch die großzügigen und idyllischen Parkanlagen, das Wahrzeichen Genfs, den Jet d'Eau fast immer im Blick, sahen der Sozialisierung junger Enten zu, sinnierten auf einer Bank so vor uns hin, durchquerten den Botanischen Garten und stiegen dann zum diplomatischen Campus empor.

Das Botschaftsgebäude der USA lag einige Meter höher als das russische. Die Italiener residierten in einer gemütlich wirkenden Villa. Das UN-Gebäude mit dem Fahnenmeer und das Mahnmal des zerbrochenen Stuhls auf der Place des Nations waren natürlich beliebte Fotoobjekte. An den Gebäuden einiger UN-Organisationen vorbei erreichten wir das Völkerbundgebäude in der Avenue Wilson.

In einer der Eisdielen in „unserer“ Straße schlemmten wir Himbeer-Schoko bzw. -Nuss-Eis. Großartig! Auf einem kleinen Markt kauften wir schließlich unser Mittagsmahl: Plattpfirsiche, Trauben und Tomaten, an denen wir uns im Zimmer gütlich taten.

Nach einer kurzen Erholung spazierten wir Richtung Zentrum. Es gab so viele schöne Plätze und Ecken zum Verweilen. An einem Plätzchen ließen wir uns zu Cappuccino nieder und schauten dem Menschengewimmel zu. In einem Souvenirladen gab es ein Schweizer Kreuz für den Kühlschrank, und anschließend aßen wir schräg gegenüber vom Hotel Kebab und Falafel. Das letzte Bier tranken wir gegenüber in der Pizzeria. Es war schön in Genf.

Übernachtung

  • Hotel Balzac
    annehmbar

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