3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Bordeaux - Hourtin

Etappe 25: 80 km

Racktime Spanngurt

Gute Nachricht Nr. 1: Wir waren unter den Top Five beim Frühstück, hatten also freie Sitzwahl, Zeit und Muße. Die Frühstückseier waren perfekt.
Gute Nachricht Nr. 2: Aus der Garage kamen wir mit den Rädern in Nullkommanix ins Erdgeschoss. Bei der Ankunft hatten wir 10 Minuten im Tiefgeschoss vor dem Aufzug verbracht, bevor ein Fahrstuhl verfügbar war.
Gute Nachricht Nr. 3: Den Weg aus Bordeaux hinaus fanden wir sogleich. Das war in Anbetracht des Straßengewirrs nicht zu erwarten gewesen. Erleichterung machte sich breit.

Schlechte Nachricht: Das Gepäckträgerband, ein Racktime Spanngurt Bindit, an Utes Rad hatte sich bei einem kurzen Stopp gelöst und sich mit hoher Spannung sowohl um einige Speichen als auch den Riemen gewickelt. Er ruhte bombenfest im Hinterrad - nichts ging mehr. Das rollte nicht mehr, der Spanngurt war nicht zu lösen. Wir wurstelten eine Weile herum und konnten den Haken schließlich mittels einer Zange am Schweizer Taschenmesser aus den Speichen lösen und die elastischen Bänder des Spanngurts zerschneiden. Den Gates-Riemen bekamen wir aber nur halb wieder auf die Nabe. Ute konnte damit fahren, wir wussten aber nicht, welche Folgen zu gewärtigen waren.

Wie hatte sich der Spanngurt überhaupt lösen können? Als Ursache vermuteten wir, dass der Kunststoffhaken viel zu kurz konstruiert ist, um die vielfältigen Belastungen einer langen Radreise zu ertragen. Frühere Versionen des Spanngurts hatte doppelt so lange Haken, die sich prima verankern ließen. Meinen Spanngurt entfernte ich nach diesem Erlebnis sofort - wir werden andere Lösungen suchen.

Wir setzten die Fahrt auf einer ausgezeichneten Radstrecke nach Lacanau fort, die ebenfalls auf einer ehemaligen Bahnlinie konstruiert worden war. Die Fahrbahn wurde zwar allmählich schmaler, blieb jedoch in gutem Zustand; die Kiefernwälder wurden nur selten durch Eichenwälder unterbrochen, und die Annahme, dass die längste Geradeausstrecke seinerzeit der Highway zwischen Kansas City und Denver gewesen sei, wurde revidiert - so lange geradeaus sind wir mit dem Rad selten gefahren, übrigens ganz nah an Le Porge vorüber, wo wir in früheren Zeiten zweimal einen Urlaub am Atlantik verbracht und ein Gite gemietet hatten.

Als der Gegenwind uns mal wieder zu seinem liebsten Spielzeug erkoren hatte, rief Franz H. von Velo-City Bonn an und erklärte, wie der Riemen vollständig über die Nabe zu ziehen sei. Die Ausführung überließen wir als radtechnische Amateure allerdings lieber dem Meister in der Radgarage in Hourtin, die wir gegoogelt hatten. Er vermochte das Problem zu lösen und war zurecht sehr stolz auf sein Werk. Das war noch einmal gut gegangen.

In einer portugiesische Kaffeebude im Hafen von Hourtin erfrischten wir uns und warteten auf den Checkin ins Odalys, der um 17 Uhr begann und fast wie am Flughafen ablief. Die Schlange vor der Rezeption war hier nur unwesentlich kürzer. Das Bett in unserem Schlaf-Wohnzimmer mussten wir zusammenbauen, die Räder quartierten wir auf dem Balkon ein.

Bei unserem Lieblingsportugiesen am Hafen aßen wir köstliche Sardinen zum portugiesischen Weißwein und spazierten noch eine kurze Weile zum See. Wir mussten bedauernd feststellen: Baby, it‘s cold outside.

Übernachtung

  • Résidence Club Odalys du Port
    mäßig

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