3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Caen - Le Havre

Etappe 36: 84 km

Für 8 Uhr hatten wir uns zum Frühstück angemeldet. In dem kleinen Hotel war Platz eine knappe Ressource. Das Frühstück war das traditionell französische, bei dem klar ist, warum kurz vor 12 die Franzosen rasend schnell fahren, um endlich etwas Vernünftiges in den Magen zu bekommen. Croissants in den schlechten Kaffee zu tauchen, das ist wirklich keine beglückende Aussicht.

Zunächst ging es einen prima Weg die Orne entlang, an der große Schiffe an Werften lagen. An der ersten Brücke in Ranville wurde mit dem Pegasus-Denkmal an die 6. Luftlandedivision und die Kämpfe von 1944 erinnert. In der Folgezeit wechselten sich sandiges und leicht sumpfiges Gelände ab - glücklicherweise war der Radweg auf festem Boden. In Merville erreichten wir den ersten einer Reihe von Seebädern an der Côte Fleurie, in denen einige prächtige Villen mit attraktiven Fachwerk am Wegesrand zu bewundern waren. Vieles erweckte allerdings einen leicht angestaubten Eindruck. Die Badesaison stand auch hier vor dem Saisonfinale, und vor allem Senioren waren unterwegs. Im Meer war niemand zu sehen, es war zu kühl. Die Radwege waren leider nicht in gutem Zustand, und die Straßen wiesen ebenfalls Flicken und Lochmuster auf.

An einer Strandpromenade rasteten wir und setzten nach einer halben Stunde den Weg fort. Die Anstiege waren weniger geworden, das Fahren erforderte aber Aufmerksamkeit, weil die Straßen mitunter eng und gefährlich uneben waren.

In Honfleur, in Malerkreisen wohlbekannt und Geburtsstadt Erik Saties, an der Seine-Mündung in den Ärmelkanal direkt gegenüber von Le Havre gelegen, schlemmten wir noch ein sehr leckeres Softeis, und machten uns dann auf den gut ausgeschilderten Weg zur Pont de Normandie, einer fulminanten, über 856 m langen Brücke über die Seine. So eindrucksvoll die Brücke als technisches Kunstwerk ist, die sich wie eine nach unten offene Parabel über den Fluss spannt, so ist die Überquerung für Radler aus unserer Sicht riskant. Den höchstens 1 m breiten, ungesicherten Radstreifen, den man neben den beiden Fahrspuren gelassen hat, auf denen die tonnenschweren LKW den Verkehr dominieren, trauten wir uns nicht zu befahren. Der Seitenwind in Verbindung mit dem Sog der schnellen LKW - no way, wir schoben die Räder auf dem Fußweg.

Nach dem Überqueren der Brücke zu Fuß warteten auf uns Radwege Richtung Le Havre, die zu den schlechtesten zählen, die wir in Frankreich kennengelernt haben. „Alles verbumfeit", um es mit Kempowski zu sagen. Dank unserer geplanten Route fanden wir den Weg ins Zentrum gut. Straßen im rechten Winkel, Häuser quadratisch, praktisch,  gut - alles im rechten Winkel, allerdings auch viel Leerstand. Der Weg zum Ibis war, wie schon häufig, schlecht ausgeschildert, also musste wieder Google Maps aushelfen. Nach 84 km waren wir in der Stadt angekommen, die infolge des Zweiten Weltkriegs zu 80% zerstört worden war.

Ein zehnminütiger Regenguss ereignete sich, als wir uns umzogen. Wenig später schien wieder die Sonne, und wir gingen indisch essen. Die Häuserquader sind alle in hellem Ton, sie gleichen den Betonbauten, wie wir sie in Warschau oder Bukarest gesehen haben. Anziehend ist das nicht, und es fehlt definitiv an Grün. Zur Erklärung trug der Eintrag in Wikipedia bei:

Der Kern von Le Havre wurde nach Plänen des Architekten Auguste Perret von 1945 bis 1954 wieder aufgebaut. Mit einem Team von 60 Architekten entwarf er lange Straßenachsen und breite Boulevards, gesäumt von Häusern in getöntem Beton, mit Kolonnaden und klarer, einfacher Ornamentik."

Übernachtung

  • Ibis Styles Centre
    ansprechend

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