3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Nantes - Redon

Etappe 30: 76 km

Gestern hatten wir übrigens unseren Geschwindigkeitsrekord übertroffen: 62,5 km/h. Und keiner hat es gemerkt! Das spricht entweder für die Stabilität des Rades oder für einen kognitiven Aussetzer. Wir plädieren für die erste Option.

Und außerdem: Nantes gewinnt den Preis für die Anzahl von Radgeschäften. Bemerkenswerte vier davon hatten wir gezählt!

Das Frühstück im Ibis war ungewohnt chaotisch. Niemand wusste so recht, wo was steht. Wir waren früh auf der Piste, fanden leicht hinaus und hatten nach 8 km die Vororte von Nantes verlassen. Der Himmel war gar nicht so blau wie gewohnt, der eine oder andere Tropfen fiel, aber nass wurde niemand. An einer schönen Chapelle des Anges in Orvault vorbei fuhren wir durch das bretonische Hinterland über eine wenig frequentierte Nebenstraße mit gutem Belag. Es grünte von allen Seiten, fette Wiesen und Weiden, viele Kühe, auch der Mais ließ sich wieder blicken, und über allem hing der Duft gerade eben gedüngter Felder. Die Landschaft war so weit, dass man auch einen Prärie-Film hier hätte drehen können.

In Fay fanden wir einen Supermarkt -Cafés waren Fehlanzeige -, in dem wir ein leckeres Twister-Eis verspeisten. Wir hatten mittlerweile das Département Somme erreicht, und auch wenn der Erste Weltkrieg mehr als 100 Jahre vorüber ist, bleibt er im kollektiven historischen Gedächtnis. Die eigentümliche Architektur in Fay hat ihre Ursache:

Im Ersten Weltkrieg lag die Gemeinde im Zentrum der Schlacht an der Somme im Sommer 1916 und wurde im Minenkrieg vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in geringem Abstand zur früheren Ortslage, deren Ruinen erhalten blieben." (Wikipedia)

Kurz danach lagerten wir zu Mittag auf einer sonnigen Wiese und aßen Linsensalat, Pistazien, Trauben und Tomaten. Wir ließen uns Zeit, denn das gebuchte Hotel öffnete erst um 17 Uhr. Weiter ging es, und zu unserer Überraschung gelangten wir an einen Kanal, den Nantes-Brest-Kanal, an dem wir bis Redon entlang radelten. Sehr entspannend, idyllisch mitunter, so ruhig wie in einem Schlaflabor, himmlisch. Einmal mussten wir uns durch einen engen Waldpfad schlängeln, bis wir den Kanal wieder erreichten und die gemächliche Fahrt fortsetzten.

Rund 20 km vor Redon wurde der Belag immer schlechter, und die Riemen und Bremsscheiben gaben merkwürdige Geräusche von sich. Staub, Kies und Dreck hatten sich abgesetzt. So wässerten wir kurz vor Redon die sensiblen Radteile, so dass die Traktorengeräusche verschwanden und der Katastrophenschutz nicht informiert werden musste.

Das Hotel Queen Serenity fanden wir schnell. Wir kauften im Carrefour für morgen ein, und spazierten durch die überraschend hübsche Stadt, in der heute ein Fest stattfand. Folge: die Restauration war auf ein Minimum beschränkt. In einer Brasserie tranken wir ein Leffe, kauften im Carrefour einen Côtes du Rhône und zwei Trinkbecher und setzten uns in den Hotelgarten, wo wir bei Chansons und Wein unsere Vorräte für morgen verputzten und die Becher einweihten. Es war wundervoll still - so wie am Kanal.

Ruhe genießen mit der Lebensliebe. Nichts ist schöner.

Übernachtung

  • Hotel Queen Serenity
    passabel

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