3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Redon - Rennes

Etappe 31: 70 km

Die hibbelige Empfangsdame, alles andere als gelassen, wie es der Hotelname nahelegen würde, betätigte sich heute Morgen als Servicekraft beim knapp ausreichenden Frühstück. Noch nicht einmal den Kaffee konnte man an der Maschine selbst wählen.

Nach einem kurzen Einkauf im Carrefour ging es gleich bergauf, und dieser Start bestimmte das Grundmuster unserer Etappe. Die Maximalhöhe betrug am Le Haut des buttes bei Guichen nur 100 m, aber die Hügel häuften sich, so dass am Ende ein Anstieg von rund 560 m zu verzeichnen war. Natürlich fuhren wir auch knackige Abfahrten, aber die waren dünner gesät.

In der ersten Stunde erreichten wir einen für manche Bretonen möglicherweise bedeutsamen Ort, nämlich jenen, an denen die Bretagne 851 ihre Unabhängigkeit von den Franken unter Karl dem Kahlen erkämpfte. Martialische Relikte waren anzuschauen.

Anschließend ging es wie in den vergangenen Tagen an Wiesen und Weiden vorbei, diesmal auf kleinen Straßen, mehr oder weniger gut asphaltiert. Auch auf dieser Etappe war es schwierig, etwas Essbares zu bekommen - also gab es an einer Kreuzung mit Sitzplatz auf einem abgerissenen Betonstrommast das üblich Mittagessen, wegen großen Hungers schon vor 12 Uhr. Später am Tag stockten wir mit leckeren Himbeertörtchen unsere Kohlenhydratevorräte auf.

Auf einem der letzten Anstiege hielt neben uns unvermittelt ein Autofahrer, begeistert davon Radler zu sehen. Da er mitten auf der Straße stand und somit ein Verkehrshindernis darstellte, stellte er sein Auto auf einer Wiese ab, und wir plauderten eine Weile über Fahrradrouten der Gegend, unsere Tour, die Region und manches mehr. Schönes Erlebnis. Danach wartete noch eine Abfahrt auf uns, und ab der Brücke in Pont-Réan radelten wir am Ufer der Vilaine entlang Richtung Rennes. Der Weg war wieder sandig, so dass die Räder Geräusche wie hustende Traktoren erzeugten.

Das Ibis Styles in Rennes war schnell gefunden, auch wenn wir zuerst wie in Nantes das „falsche“ Ibis angesteuert hatten. Wir bezogen das Zimmer und stellten fest, dass für ein altes Ibis nur eine neue Marke genutzt wurde. Das Zimmer war wenig größer als die Kombüse auf Blaubärs Kahn, und ein ausgeklappter Kofferständer, vorsichtshalber vor der Zimmertür angebracht, würde bei Feueralarm den Fluchtweg definitiv versperren.

Zwischen dem futuristisch aussehenden neuen Bahnhof und der alten Stadt bewegten wir uns am Nachmittag und Abend. Wir kauften ein, gingen zur Kathedrale, die Teil eines umfangreichen Bauprojekts war. Viel Altes, Zerbröckeltes stand unmittelbar neben Instandgesetztem, irgendwie machte Rennes einen unfertigen Eindruck. Wir aßen in einem Kebab-Laden, in dem Alkohol nicht auf der roten Liste stand und das Paradies dennoch erreichbar erschien und tranken noch ein Pilsken in einer Brasserie nahe dem Hotel. Dort sahen wir Bretonen zu, die Palets breton spielten, ein Wurfspiel ähnlich dem Boule. Anschließend war ein langer Schlaf angesagt.

Übernachtung

  • Ibis Styles Centre Gare Nord
    ansprechend

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