3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

La Rochelle - La Roche-sur-Yon

Etappe 28: 79 km

Es hilft nicht, gegen Wind und Flut sich schlagen.
(Heinrich VI., IV/3)

In der Dichtkunst gehört eindeutig Shakespeare die Krone.

Zumindest haben wir dem Wind widerstanden, der mit einer Macht gegen uns tobte, als gehe es ihm um Vergeltung. Trotz dieses Hindernisses erreichten wir das achterbahnartige La Roche-sur-Yon nach einer anstrengenden Etappe. Etwas später als geplant, weil wir einige Male Utes Rad auf dem Seziertisch hatten. Es quietschte und krächzte, mal sporadisch, mal kontinuierlich, auch mal gerne gar nicht. Wir konnten nichts entdecken und entschlossen uns, morgen das Decathlon aufzusuchen, das wir auf Google Maps nicht weit vom Hotel entfernt gefunden hatten.

Der Weg aus La Rochelle, nach einem guten Frühstück, war ganz und gar nicht problemlos, und wir mussten häufiger als gedacht den Track per pedes verifizieren. Schließlich gelangten wir auf eine stark befahrene Straße mit schmalem Seitenstreifen. Kurz vor Marsilly konnten wir sie verlassen, und von da aus ging es in eine platte Landschaft, die kilometerweit zu überblicken war. Viehwirtschaft dominierte, Kühe in allen Kaffee-Schattierungen waren vorhanden, es war staubig, und der Wind zerrte an uns.

An einem der wenigen Lokale gönnten wir uns ein Eis, passierten bei Grün eine Zugbrücke - ein LKW-Fahrer winkte uns über die Straße - und waren plötzlich in einer Marschlandschaft, in der wir auch die Mittagspause verbrachten. Wir waren mitten im Marais Poitevin angekommen, dessen feuchter Teil wegen der zahlreichen Kanäle das Grüne Venedig (Venise verte) genannt wird. Alle Ortschaften, die wir passierten, waren menschenleer. Rund 20 km vor dem Ziel erreichten wir wiederum eine vielbefahrene Straße, die D746, auf der es abwechselnd hinauf und hinunter ging. Ganz schön anstrengend, aber wenigstens war der Belag in Ordnung.

Kurz vor dem Ziel führte uns der Track quasi hinterrücks in die von Napoleon gegründete Stadt in der Vendée. Es ging steil hinunter und nach einer eigentlich gesperrten Brücke sehr steil hinauf. Wenig später erblickten wir die Napoleon-Statue, und dann war es gar nicht mehr weit zum Hotel.

Nach dem Duschen kauften wir im Casino ein, gingen die Haupstraße entlang und entdeckten Le Grand Caf‘, wo wir einen köstlichen Salat aus mariniertem Thunfisch mit Gurken, Avocado, Möhren und Reis zu einer Käse-Wurst-Platte aßen und einen regionalen Rosé tranken. Sehr, sehr lecker, und der polyglotte Chief war darüber hinaus sehr unterhaltsam.

Übernachtung

  • Hotel Napoléon
    annehmbar

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