3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Hourtin - Royan

Etappe 26: 60 km

Früher Start, denn Frühstück gab es hier nicht. Im Ort hatte allerdings nicht nur Spar schon geöffnet. Wir kauften das Notwendige und ließen uns zum Morgenkaffee im gut besuchten Bistro nebenan am Kirchplatz nieder. Zum Kaffee gab es frische Croissants. Hmm!

Danach kehrten wir auf die Piste in den Kiefernwäldern zurück, die heute belebter war als gestern. Es war Sonntag, also Ausflugstag, wir kamen durch einige Touristenorte, und allein die Nähe zum Atlantik sorgte schon für mehr Betrieb. Vor allem in Montalivet herrschte Verkehr, auch wenn die Saison offensichtlich schon im Abklingen begriffen war. Die Durchschnittstemperatur betrug heute beunruhigende 12 Grad, der Sommer nahm so allmählich seine Mütze. Der Gegenwind war nicht so heftig wie gestern, und die Strecke schlug heute einige Male nach links und rechts aus. Kurven waren ja gestern eher selten gewesen. Es gab nicht viele Rastplätze. An einem, wo wir Pause machen wollten, hielten wir uns nur kurz auf, weil dort jemand auf seiner Trompete übte. Geh nach draußen, Jung, da kannste tröten. Weit und breit hörte außer uns niemand mit.

Bei der Ausfahrt aus Hourtin mussten wir in der dicht bewachsenen Dünenlandschaft einige Anstiege erklimmen. Mittagspause an der Straße, begleitet von einem Raben, der sehr an unseren Speiseresten interessiert war. Und weiter durch die „Wildnis“ bis wir wieder am Meer waren. Sonne, Wind, ein ziemlich leerer Strand, und kurz vor dem Fährhafen in Verdon-sur-Mer, an der nördlichen Spitze der Halbinsel Médoc, ging es wie auf einer Achterbahn durch eine weitere Dünenlandschaft. Die Wege waren gut, es gab nur wenige Löcher. Rings herum standen Pinien und andere Bäume, die einen übersichtlichen Wald bildeten - und alles auf Sand.

Die Fähre über die Trichtermündung der Garonne erreichten wir mit einer Punktlandung - frisch zum Ablegen stand sie bereit. Die Überfahrt dauerte eine gute Viertelstunde, es waren wohl etwa 10 km, die die beiden Ufer trennte. Gegen 15 Uhr checkten wir in Royan im Hotel Le Pasteur ein.

Am späten Nachmittag aßen wir in der Brasserie Central bei Affligem-Bier Salat und Pizza und spazierten anschließend an den Strand, der einen weiten Halbkreis bildete. Wenn das Wetter passt, wollen wir morgen einen Badetag einlegen.

Ruhetag in Royan

Der Badetag fiel aus, weil Utes Kniewunde noch nicht komplett verheilt war und die Folgen einer Berührung mit Meerwasser für uns nicht voraussehbar waren.

Also legten wir kurz entschlossen einen „faulen” Tag ein, der mit einem ordentlichen und späten Frühstück begann, bei dem nur ein Senior störte, der partout nichts von der Benutzung der Maske hielt.

Anschließend kauften wir im U-Express ein, Wasser, Obst, Tomaten, Kekse, Studentenfutter und eine Flasche Wein für den Abend. Dann suchten wir uns eine schattige Bank an der Meerpromenade mit teils pittoresken alten Villen im Hintergrund, die an die Rolle der Stadt als mondäner Badeort im 19. Jahrhundert erinnerten. Hatte die Stadt mehrere Verwüstungen im Hundertjährigen Krieg und in den Kriegen gegen die Hugenotten überstanden, so wurde sie in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig zerstört. Eine merkwürdige große, graue Kirche war von allen Seiten aus zu sehen. Was hatte es mit ihr auf sich? Dazu schreibt Wikipedia:

Als Ersatz für die im Krieg zerstörte Kirche Royans wurde eine über die Innenstadt hinausragende neue Kirche Notre Dame aus Stahlbeton errichtet. Die Absicht war es, eine Kirche mit Ästhetik großer gotischer Kathedralen als Mahnmal zu erschaffen."

Auf der schattigen Bank sitzend, beobachteten wir das bunte Treiben ringsherum. Gegen Mittag schauten wir wieder ins U hinein, um Himbeertörtchen zu ergattern. Es gab keine mehr, aber der Bäcker bot an, zwei für uns herzustellen. Gesagt, getan -sie schmeckten köstlich. Wir zogen nun unsere Windjacken an, weil es für unser Empfinden nachmittags etwas kühl am Atlantik zu sein pflegt. Die Suche nach einem weiß-blauen T-Shirt blieb erfolglos. Am frühen Abend aßen wir wieder in der Brasserie am Platz de Gaulle, diesmal schmackhafte Burger in Normalgröße, dazu gab es einen weißen Charentais.

Wir machten uns Gedanken über kommende Radreisen, über die richtige Spannung eines Gates-Riemens und andere hochwichtige Dinge, und so floss ein Tag im Leben dahin.

Übernachtung

  • Hotel le Pasteur
    ansprechend

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