3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Rennes - Saint-Malo

Etappe 32: 76 km

Ein schöner Tag war angebrochen, das Frühstück nahmen wir draußen ein, und der Kaffee schmeckte wieder einmal, auch wenn das Hotel seine besten Jahre gesehen haben dürfte.

Der Sonntag ist und bleibt der beste Tag für die Abfahrt aus größeren Städten. Wir konnten nach Belieben in der Altstadt herumkurven, es war schlicht kein Betrieb. Die Räder erlebten ihre erste Sonntagswäsche im blauen Elefanten, woraufhin die zum Knarren neigenden bekannten Teile verstummten. Zunächst fuhren wir über mehr oder minder befahrbare Straßen, wie üblich mit vielen Anstiegen und wenigen Abfahrten. Es war diesig, aber schon warm.

Nach etwa 20 km gelangten wir in Hédé-Bazouges, wo es nicht nur Menhire gibt, an den Canal d’Ille-et-Rance - kaum ein Tag ohne Kanal iauf unserer Radtour -, an dem es nur so wimmelte von Radlern allen Alters. Über eine Schleusenbrücke wählten wir die weniger befahrene rechte Seite, was allerdings zur Folge hatte, dass die Reinigung der Räder vergebens geworden war, da der Weg nicht asphaltiert war. Linsen und leckere LU-Kekse mit dunkler Schokolade bildeten hauptsächlich unsere Mahlzeit am sonnenbeschienenen Kanal.

Danach hieß es in La Chapelle-aux-Filtzméens Abschied nehmen vom Kanal, und das stetige Auf und Ab in der bretonischen Provinz nahm seinen Lauf. Außer einigen Möbelhäusern war nichts geöffnet, aber stets gab es einen weiteren Hügel, sobald wir einen hinaufgefahren waren. Näherten wir uns dem Meer? Ja, wir näherten uns der Smaragd-Küste, aber davon war noch nichts zu merken.

Als wir Saint-Malo erreichten, war es früher Nachmittag, und die Stadt lag wie unter einem Schleier, fast im Nebel versunken - gleich würden Korsaren auf uns zustürmen. Wir hatten ein Hotel im historischen Hafen gebucht und schoben die Räder durch ein pittoreskes Stadttor. Und was sahen wir außer Massen von Menschen? Einen Laden, in dem Softeis angeboten wurde. Hurra - verschwitzt verputzten wir eine große Portion von exzellentem Softeis und waren erst einmal froh über den Zuckerschub. Schräg gegenüber lag das einzige Hotel in mehr als 10 Jahren Radtouren, das tatsächlich 24 Euro für die Aufbewahrung der Räder verlangte, eine Beutelschneiderei ohnegleichen. Diese Piratenmanier war auch nicht bei booking.com annonciert worden. Als Radler sollte man dieses Hotel besser meiden.

Im alten Hafen war viel Betrieb, u.a. auch die am Wochenende üblichen Anti-Covid-Demos gegen die bêtises de la gouvernement, wie es der Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft formulierte, in dem Marinepullover gekauft wurden, einmal in blau-weiß, das andere Mal in weiß-blau.

Wir aßen gut in der Brasserie Duchesse Anne Muscheln und Salat zum Rosé und schauten abschließend am frühen Abend über den nun im Licht der untergehenden Sonne liegenden Hafen. Auch Radler beginnen nun zu frösteln - es wird kalt!

Übernachtung

  • Ibis Styles Saint-Malo Port
    trostlos

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