3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

Castelnaudary - Toulouse

Etappe 20: 52 km

Auch das Frühstück in dem verstaubten Laden war alles andere als befriedigend. Kein Wort mehr über diese Unterkunft!

Die ersten 10 km auf großartigen Straßen liefen wie von selbst. Nach wie vor rollten wir durch eine weite Ebene, wobei die Hügel immer niedriger und die Weinanbauflächen immer seltener wurden. Der Track navigierte uns wieder zum Canal du Midi, an dem wir gut 40 km bis Toulouse entlang radelten. Gut zwei Drittel der Etappe fuhren wir auf sehr guten Belägen, häufig beschattet von mächtigen Platanen. Die Schleusen fungierten immer wieder als Kommunikationszentralen, an denen auch die Schaulustigen auf ihre Kosten kamen. So einsam es hier meist war, so viele Spuren hat die Geschichte hinterlassen: Albigenser, Montségur, der Schwarze Prinz. So viele Ereignisse konzentriert in regionaler Kompaktheit.

Auf den letzten Kilometern war ein Schiff nach dem anderen am Kanal verankert, das letzte war nur noch ein Schrotthaufen, der das Schlusslicht setzte.

Durch die belebte Fußgängerzone hindurch erreichten wir das BW-Hotel, an dem wir zunächst vorbeigelaufen waren. Die Räder kamen in einen sicheren Raum, das Gepäck wurde bis zur Fertigstellung der Zimmer sicher aufbewahrt, und wir spazierten durch das wuselige und heiße Toulouse und statteten uns mit einer todschicken pinken Einkaufstasche von Carrefour aus.

Auf den Straßen befand sich ein robust aussehendes Polizeiaufgebot, da hier eine der landesweiten Demos gegen die Covid-Maßnahmen stattfand. Wir hörten die Menge Li-ber-té skandieren.

In der Pizzeria Vecchio, gegenüber dem „Mann mit dem Apfelkopf”, einer Skulptur aus rotem Harz, aßen wir Salat, Pizza bzw. Pasta zum Wein und kehrten anschließend in unser Superior-Zimmer zurück, das einen leicht anachronistischen Eindruck erweckte

Ruhetag in Toulouse

Das Frühstück hatten wir nach alter Gewohnheit auf die Zeit zwischen acht und halb neun Uhr bestellt, nicht daran denkend, dass es Sonntag war. So waren wir eine Viertelstunde lang die einzigen im Frühstücksraum, wo ein fertig zusammengestelltes Petit déjeuner, das wir gestern auf einem Formular ausgewählt hatten, auf uns wartete. Danach ruhten wir uns noch ein wenig aus und versuchten dann, den Anfang des Tracks nach Castelsarrazin zu finden. Praktischerweise war der auf der Place Capitole, die wir uns bei dieser Gelegenheit gleich anschauen konnten. Schlicht zu wenig Grün auf diesem riesigen Platz.

Wir spazierten anschließend durch einige schöne Gassen der Altstadt, zunächst mit vielen beeindruckenden hohen Häusern, die später von immer kleineren Häusern (vermutlich der ältere Teil) abgelöst wurden, und besichtigten ein Wahrzeichen der rosa Stadt, die riesige Basilika Saint-Sernin, „die größte erhaltene romanische Kirche Frankreichs” (Wikipedia), die mit dem Glockenturm unproportional auf uns wirkte. Dann aßen wir in einem Lokal am Kapitol ein voluminöses Pfirsich-Melba, spazierten zum Hotel zurück, erledigten Buchungsaufgaben etc. und faulenzten.

Am frühen Abend gingen wir wiederum zur Pizzeria Vecchio, wo uns der Kellner wie Stammgäste begrüßte und etwas enttäuscht war, dass wir abreisen und in Anbetracht der Entfernung auch nicht so schnell wiederkommen würden. An diesem Abend gab es nach dem Pastis zunächst Salat, dem Lasagne folgte, begleitet von eiskaltem Rosé. Mit einem Kaffee beendeten wir das Essen und flanierten den mittleren Teil der Allées Jean-Jaurès hinauf, an deren beiden Seiten es nicht nur zahlreiche Sitzgelegenheiten gibt, sondern auch bunte Beete angelegt sowie Bäume gepflanzt worden sind, bis zur Statue des Kanalplaners und -erbauers Pierre-Paul Riquet. Passender Abschluss eines schönen Tages.

Übernachtung

  • Hotel Best Western Les Capitouls
    gut

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